Italien

Waren die Station der französischen Nation ausführlich bereist worden, so rückte nun beispielsweise Italien in den Mittelpunkt der Reisenden. Auch wenn Städte wie Turin, Mailand und Genua einen klangvollen Namen besaßen, war die Bedeutung nicht ausreichend genug, damit die Adligen mit ihrer Begleitung für längere Zeit in der Stadt verweilten. Dafür war Florenz, das bis heute wegen seiner kulturellen Schätze bekannt ist, ein bedeutendes Reiseziel während der Grand Tour. Gerade die Briten haben sehr viel Sympathie für diese Stadt empfunden, prägten zwei Grundzüge das Wesen dieser Stadt. Zum einen galten als bedeutungsvoll die intellektuelle Strenge der Architektur von Florenz sowie die bereits erwähnten Kunstschätze. Doch noch ein anderer Zauber zeichnete die Stadt seinerzeit ganz besonders aus. Schließlich wurde Florenz auch einer Landschaft umgeben, die von einer ansprechenden Kultiviertheit geprägt war. Auf dieser Reise wurden in Italien noch weitere Städte besucht, die ebenfalls einen guten Ruf im Sinne der Kultur hatten. Es waren Städte in der Toskana, wie Siena, Pisa und Lucca, die die jungen Adligen aus der englischen Nation anzogen.

Und dann führte der Weg in die italienische Hauptstadt Rom. Diese zeichnete sich schon zu damaliger Zeit der Grand Tours dadurch aus, dass sie viele Sehenswürdigkeiten kultureller Art auch aus der Antike vorweisen konnte. Hier wurde gleich für mehrere Monate, vorzugsweise während des Winters, ein Aufenthalt eingeplant. So blieb den Reisenden und ihrer Begleitung in Form von Tutoren ausreichend Zeit, sich beispielsweise dem Besuch des Kolosseums und der Spanischen Treppe zu widmen. Weitere Sehenswürdigkeiten, die im Mittelpunkt standen, waren dann unter anderem Museen und Kirchen. Eine weitere Attraktion der damaligen Zeit war der römische Karneval.

War die ereignisreiche Zeit in Rom zu Ende, wurde die Reise innerhalb von Italien fortgesetzt. Nun ging es in Richtung Neapel, wobei diese Fahrt dann schon als etwas gefährlicher eingestuft wurde. Schließlich waren es hier nicht nur Räuber und Briganten, die den Menschen das Leben schwer machten. Auch konnten auf dieser Reise nun Krankheiten lauern, die natürlich keiner haben wollte. Ist jedoch diese Fahrt überstanden worden, so war die Aufmerksamkeit auf die Steilküste in der Campagna gerichtet, die in entlang von Venetien liegt. Dabei fiel der Blick unter anderem auch auf die Inseln Capri und Ischia, die von einer idyllischen Schönheit geprägt wurden. Beim Besuch in dieser Region führte der Weg natürlich auch an den Golf von Neapel, wo der noch in heutiger Zeit aktive Vulkan Vesuv bestaunt werden kann. Mitte des 18. Jahrhunderts gewann diese Region an Bedeutung, da während dieser Zeit die Ruinen von Pompeji ausgegraben wurden. Besonders geschichtlich war es natürlich interessant, was diese Funde aus dieser Zeit den Menschen zu sagen hatten. Mitunter stand noch ein Besuch in Sizilien auf dem Besuchsplan, wo der Ätna zum Aufstieg lockte. Waren nun die entscheidenden Regionen passiert und erkundet worden, führte der Weg in Italien zum Abschluss oft wieder an Italien und Florenz vorbei. Nun führte der Weg aber an einer anderen Seite dieser Städte vorbei. Dabei wurde dann der Weg nach Padua und nach Venedig aufgenommen. In dieser Region zogen die vom bekannten Architekten Andrea Palladio erschaffenen Villen die Aufmerksamkeit der reisenden englischen Adligen auf sich. War dieses Studium der Architektur zu Ende geführt worden, begaben sich die Reisenden in der Regel auf den Weg über die Alpen. Das Ziel war hier der Alpenpass Brenner.