Die kulturelle Auswirkungen
auf die Heimatländer der Reisenden

Den Adligen bot sich eine Reihe von Impressionen, wie sich die anderen Länder weiterentwickelt haben. Natürlich bekamen die Reisenden somit eine Reihe von Ideen mit, was in Bezug auf das kulturelle Leben alles möglich ist. Und zur Kultur eines jeden Landes gehört ja eine ganze Reihe von Aspekten, wie zum Beispiel die Architektur. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hatte der Klassizismus noch nicht den Weg nach England gefunden, was sich jedoch durch die Reisenden ändern sollte. Sie bekamen während einer Grand Tour viel von den Einflüssen des Klassizismus mit. Diese Bilder nahmen sie mit nach Hause und gaben dieser Stilrichtung somit die Möglichkeit zum Einzug in England und in weiteren Staaten innerhalb von Europa. Prägend war hier die Society of Dilletanti, deren Mitglieder alle auf einer Grand Tour waren. Sie trafen sich sehr regelmäßig, um die Gedanken untereinander auszutauschen. Unter anderem war der italienische Architekt Palladio Inspiration für viele Bauwerke in England. Doch auch weitere Schöpfungen, wie beispielsweise das Regency, wären ohne die Reisen nach Italien wohl kaum erschaffen worden. Innerhalb Deutschlands reisten der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel und der Archäologe Johann Joachim Winckelmann nach Italien. Auf diesen Reisen zog dann auch der Klassizismus gedanklich in ihre Welt ein und zeigte sich später in ihren Werken.

Außerdem wurden dann auch die oberitalienischen Kirchen, die im romanischen Stil erbaut worden waren, prägend für Kirchen in England. Ein gutes Beispiel ist hier die Westminster Cathedral in London, die noch heute von großer nationaler Bedeutung ist. Hier kann der Einfluss der Region Ravenna und seiner Kirchen nachvollzogen werden. Und auch die Wasserspiele von Tivoli waren zum Beispiel Inspiration für die Wasserspiele von Salzburg oder von Kassel.

In der Malerei ist die Magie der Grand Tours ebenfalls zu spüren. Von entscheidender Bedeutung war hierbei der französische Maler Claude Lorrain zu. Sein Stil war die Malerei des Barocks. Seine Kunst, mit der er Verbindungen in Bildern erschaffen konnte, sollte ein ganzes Jahrhundert prägen. Inspirierend sollte sein Stil auch auf englische Maler wirken, wie zum Beispiel Richard Wilson. Er zeichnete sich mitverantwortlich für die Gründung der Royal Academy und war als herausragender Maler von Landschaften bekannt. Die Begeisterung für die Werke von Lorrain war Antrieb zur Entwicklung von so genannten Claude-Gläsern, mit denen die Bilder eine andere noch romantischere Perspektive bekamen. Die Gestaltung eines englischen Landschaftsgartens wurde ebenfalls durch Claude Lorrain beeinflusst.

Doch waren auch noch andere italienische Maler prägend für die Malerei in England. Große Künstler der venezianischen Hochrenaissance waren unter anderem Tizian und Raffael, wobei dieser außerdem als Baumeister tätig war.

Das seit vielen Jahrzehnten auch außerhalb von Italien italienische Einflüsse in der Musik hörbar sind, liegt daran, dass viele Musiker nach Italien gereist sind. Dies traf auch für deutschsprachige Komponisten zu. Vielen gefiel insbesondere auch der Gedanke der Oper, so dass diese in weitere Nationen ihren Einzug halten konnte. So war insbesondere Wolfgang Amadeus Mozart im 18. Jahrhundert für seine Italienreisen bekannt. So traf er sich unter anderem mit Niccolo Piccinni.

Noch ein Jahrhundert später waren zahlreiche Komponisten in Italien anzutreffen, wie beispielsweise Hector Berlioz. Außerdem sind die Spuren von Italien bei dem romantischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zu spüren. Auch er befand sich auf einer Grand Tour und ließ die Impressionen in die italienische Symphonie einfließen.